
„Ihr Frauen, unterstellt euch euren Männern, wie es der Herr von euch erwartet!“
-Kolossä 3, 18 (BIBEL.HEUTE)
In einer Andacht heute Morgen las ich gerade erst:
„Verse über Unterordnung oder Gehorsam sind nicht gerade diejenigen, die wir voller Freude lesen“
Das mag sein,
doch dieser Vers aus Kolosser 3, 18 ist weder dezidiert ein Vers über Unterordnung noch über Gehorsam.
Maßgeblich drei Punkte sind dafür relevant, der am schnellsten und bereits in unseren deutschen Übersetzungen sichtbare Punkt direkt vorweg.
Es ist ein maßgeblicher Unterschied, ob wir den Vers mit oder ohne Komma schreiben:
„Ihr Frauen: unterstellt euch euren Männern, so wie es dem Herrn gefällt“,
[Ihr Frauen: Ihr sollt euch euren Männern unterstellen. Dies gefällt dem Herrn.]
oder:
„Ihr Frauen: unterstellt euch euren Männern so wie es dem Herrn gefällt“
[Ihr Frauen: Ihr sollt euch euren Männern unterstellen so wie es dem Herrn gefällt. Unterstellt euch euren Männern in dieser Art und Weise, in der es dem Herrn gefällt.]
Die Frage ist, liegt die Betonung auf der Unterstellung der Frau unter dem Mann, die durch die Autorität Gottes argumentativ gestärkt werden soll,
oder liegt die Betonung auf der Autorität Gottes, dessen Autorität auch in der Beziehung zwischen Mann und Frau maßgeblich sein soll.
Interessant wird es auch, wenn wir den weiteren Punkt beachten, dass das griechische Verb ὑποτάσσω [hypotássesthe] nicht zwingend als „unterordnen“ verstanden werden muss, sondern ebenfalls „unter eine Ordnung stellen“ oder „einordnen“, „in eine Ordnung einfügen“ bedeuten kann.
Als dritten Punkt möchte ich auf eine grammatikalische Besonderheit aufmerksam machen.
Tatsächlich kommt dieses Verb in gegebenen Verb nicht im Aktiv vor, bei diesem die Bedeutung eher innerhalb der gängigen Übersetzungen mit „unterordnen“ läge.
Beispiel.
ὁ ἀνὴρ ὑποτάσσει τὴν γυναῖκα
Der Mann ordnet die Frau unter
Aktiv im Kontext dieses Verbes wird i.d.R. in militärischen Bedeutungsfeldern genutzt, oder auch im Rahmen politischer Herrschaft.
In Kolosser 3, 18 liegt das Verb jedoch im sogenannten Medium/Passiv vor, wodurch eine reflexive bzw. partizipative Handlung ausgedrückt wird, bei der das Subjekt sich selbst in eine bestehende Ordnung einfügt.
„Αἱ γυναῖκες, ὑποτάσσεσθε τοῖς ἀνδράσιν ὡς ἀνῆκεν ἐν κυρίῳ. “
-Kolosser 3, 18 Nestle Aland 28
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern in eine Ordnung ein, wie es im Herrn angemessen ist.
Die Frage, wie das zu interpretieren ist, folgt.
Festzuhalten ist zunächst, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau im Kolosserbrief in den Rahmen der Christusbezogenheit („ἐν κυρίῳ“) gestellt wird und die Adressaten, hier die Frauen, zur Einfügung in diese Ordnung aufgefordert werden.
Inwieweit diese Ordnung hierarchisch und/oder relational zu verstehen ist, muss sich aus diesem Textbefund nicht zwingend eindeutig ergeben und ist Frage weiterer Interpretation.
Comments are closed