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Frage:

„Bezieht sich Jesus (Galater 5, 22-23) auf diese Früchte? (Matthäus 7, 16-20)“

Antwort:

Das ist Interpretationssache, d.h. Auslegungssache,

also inwiefern sich die Frucht/die Früchte aus Galater 5, 22-23 auf die „Früchte“ aus Matthäus 7, 16-20 beziehen.

Im Matthäus-Evangelium geht es an dieser Stelle darum, dass wir die richtigen/falschen Propeten an ihren „Früchten“ erkennen:

„Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie sehen aus wie sanfte Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Von Dornen erntet man keine Trauben und von Disteln keine Feigen. So trägt jeder gute Baum gute Früchte und ein schlechter Baum schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte tragen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb sage ich: An ihren Früchten werden sie erkannt.“
‭‭-Matthäus‬ ‭7‬, 15‬-‭20‬ ‭(BIBEL.HEUTE‬‬)

Im Galaterbrief geht es darum, was wir aus uns selbst heraus, als Menschen, tun/zustandebringen, womit wir uns so die Zeit vertreiben, und welche Folgen das hat, in Abgrenzung zu (einer Folge) Gottes Wirken in uns:

„Was die menschliche Natur erzeugt, ist offensichtlich: sexuelle Unmoral, Unsittlichkeit und Ausschweifung, Götzendienst und Zauberei, Feindseligkeit, Streit und Eifersucht, Zornausbrüche, Intrigen, Zwistigkeiten und Spaltungen, Neidereien, Sauforgien, Fressgelage und ähnliche Dinge. Ich warne euch, wie ich das schon früher getan habe: Wer darin lebt, wird keinen Anteil am Reich Gottes erhalten. Doch die Frucht, die der Geist wachsen lässt, ist: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Dagegen hat das Gesetz nichts einzuwenden. Die, die zu Jesus Christus gehören, haben ja das eigene Ich mitsamt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir also durch den Geist Gottes das neue Leben haben, dann wollen wir es auch in diesem Geist führen. Wir wollen nicht ehrgeizig unsere Eitelkeit befriedigen und uns gegenseitig herausfordern oder beneiden.“
‭‭-Galater‬ ‭5‬, 19‬-‭26‬ ‭(BIBEL.HEUTE‬‬)

Soweit ich sehe, kann ich dieser Darstellung unserer Menschlichkeit nicht widersprechen.

Ganz egal in welchen Gruppem, Gesellschaften, wir uns befinden; irgendwer ist immer verletzt/beleidigt/neidvoll.

Egal wo wir hinschauen, Landespolitik, Kommunalpolitik, Kirchengemeinden, Schulklassen,

überall kommt es Feindseligkeit, Streit.

Kirchengeschichte selbst ist das beste Beispiel dafür wie wahrhaftig dieser Blick auf menschliche Existenz ist.

Wir sind diese, die Gott erkannt haben – soweit wir das mit unserem begrenzten Verstand können –

Wir sind diese, die Gottes Liebe/Treue/Vergebung empfangen und erfahren haben,

und selbst in unseren Gemeinschaften, auch in der globalen Perspektive, kommt es alle paar Jahre zu Spaltungen, Streit, vermeintlichen „Unverzeihlichkeiten“

Und wenn wir, die wir Gott, der Liebe ist, selbst kennenlernen,

es nicht hinbekommen,

wie sollen es dann all die anderen schaffen.

Daher der Appell schon damals:

„Die, die zu Jesus Christus gehören, haben ja das eigene Ich mitsamt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.“

Wir sind nicht mehr auf uns alleine gestellt.

Es geht nicht mehr nach dem Schema, der Mensch muss den Menschen selbst ändern; muss Weltfrieden bauen.

Dieser alte Mensch, der in seiner Gottlosigkeit auf sich alleine gestellt war,

ist gestorben; ist „gekreuzigt worden“.

„Wenn wir also durch den Geist Gottes das neue Leben haben, dann wollen wir es auch in diesem Geist führen.“

Doch mit der Kreuzigung hat der Tod nicht gewonnen,

denn durch Heiligen Geist ist jeder von uns, die wir Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser angenommen haben, in ein Neues Leben auferstanden.

Und in dieses Neue Leben sind wir gelangt durch die Wirkung des Heiligen Geistes, denn Er selbst bewirkt dieses Bekenntnis zu Christus, d.h. diese Annahme, in uns. (1. Korinther 12,3)

„Wenn wir also durch den Geist Gottes das neue Leben haben, dann wollen wir es auch in diesem Geist führen.“

Da wir also dem Heiligen Geist selbst dieses Neue Leben verdanken, sollen wir es auch „in diesem Geist“ führen.

Die Wirkung des Heiligen Geistes in unserem Leben erschöpft sich nicht in dem Moment/Prozess unseres Christwerdens.

„Doch die Frucht, die der Geist wachsen lässt, ist: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“

Und das ist die Verheißung Gottes an den Menschen, der nun nicht mehr alleine ist.

//Er war natürlich nie wirklich alleine, Gott war ja immer da; der Mensch wollte/konnte das nur nicht sehen/annehmen und war daher „gottlos“ – ohne Gott.

Gott wirkt beständig in unserem Leben, und in uns selbst; in unseren Gemeinschaften.

Das ist die Verheißung an christliche Gemeinschaften, d.an vom Heiligen Geist erfüllte Gemeinschaften.

Wir sind in unseren Streitigkeiten, Lieblosigkeiten, Respektlosigkeiten, nicht alleine.

Wir müssen uns nicht allein auf psychologisches Konfliktmanagement, interne Streitschlichtung, Mediatorengespräche und Resilienztraining

verlassen.

Gott selbst wirkt eine ganz neue Schönheit in uns, und so in unseren Gemeinschaften.

„Wir wollen nicht ehrgeizig unsere Eitelkeit befriedigen und uns gegenseitig herausfordern oder beneiden.“
‭‭
Wenn wir Ihn (wirken) lassen, dann ist dies die Verheißung/„die Frucht“, die in unseren Gemeinschaften wächst.

Denn so wie Gott uns zwar ruft und immer ruft und jahrelang ruft, bis wir Seine Liebe wahrhaftig annehmen, und uns diesen Glauben nicht einfach „überstülpt“,

so drängt Er uns auch diese Wirkung, dieses Wachstum (eine Frucht ist Ergebnis einer Wachstumsfolge), nicht in einem 3-Minuten-Update auf.

Dies ist die Verheißung, die sich im christlichen Leben eines jeden Einzelnen entfaltet, und in Kirchengeschichte grundsätzlich,

und die sich vervollkommnet in Ewigkeit.

//Denn im „Neuen Jerusalem“ wird kein Leid mehr sein, kein Schmerz, keine Trauer …

Dies ist die Frucht also, die wächst im Leben des Gläubigen, der diese Beziehung, die er eingegangen ist mit Gott,

nicht in dieser Annahme begrenzt,

sondern fortwährend gestaltet und unter Seiner Wirkung, der Wirkung des Heiligen Geistes in uns, steht.

—-

So gesehen, sehe ich schon, dass man argumentieren kann;

Dies ist, was dem falschen Propheten fehlt.

Der falsche Prophet verwehrt sich Gottes Führung/Wirkung in seinem Leben,

sonst würde er umkehren und ein richtiger Prophet werden.

So wie Paulus, der Christenverfolger, zu Paulus, dem Schreiber vieler unserer Schriften wurde.

Der falsche Prophet also lässt den Heiligen Geist in seinem Leben nicht wirken.

Der richtige Prophet empfängt die Wirkung des Heiligen Geistes.

So ist auch diese Frucht eine Frucht, die in seinem Leben wächst.

So gesehen; ja.

Finde, kann man so sagen.

Es geht auch um diese Frucht.

//Wichtig hierbei eben dies. – In Galater steht das Wort im Griechischen ganz klar in Einzahl. – In unseren Übersetzungen taucht manchmal hier nur „Früchte“ auf, wahrscheinlich aus dem naheliegenden Grund, dass manche dachten eine Aufzählung mehrere Dinge müssen mehrere „Früchte“ sein. Doch es ist im Griechischen Singular. Es ist die Frucht, die aus all dem besteht. – Im Matthäus-Evangelium hingegen ist klar von der Mehrzahl, „die Früchte“ die Rede.

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